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Ihr habt endlich Zeit füreinander. Und dann sitzt jeder am Handy.

Erstellt von Olav Böseke · Lesezeit 4 Minuten · 28. August 2026

Ihr habt endlich Zeit füreinander. Und dann sitzt jeder am Handy.

Ihr habt endlich Zeit füreinander. Und dann sitzt jeder am Handy.

Der Abend ist frei.

Kein Termin mehr.

Das Essen ist erledigt.

Ihr sitzt zusammen auf dem Sofa.

Der Fernseher läuft.

Du hast Dein Handy in der Hand.

Dein Partner auch.

Nach einer Stunde sagt einer:

„Ich geh schon mal ins Bett.“

Das war Eure gemeinsame Zeit.

Auf dem Papier jedenfalls.

Zusammen im selben Zimmer ist schon mal ein Anfang

Viele Paare haben gar nicht so wenig Zeit miteinander.

Sie frühstücken zusammen.

Fahren gemeinsam einkaufen.

Sitzen abends auf dem Sofa.

Verbringen das Wochenende im selben Haus.

Trotzdem kommt irgendwann dieser Satz:

„Wir machen gar nichts mehr zusammen.“

Gemeint ist meistens etwas anderes.

Ihr seid zusammen.

Nur passiert zwischen Euch wenig.

Das ist ein Unterschied.

Der Alltag hat Euch gut trainiert

Nehmen wir einen normalen Abend.

Einer kocht.

Der andere räumt etwas weg.

Dann wird noch kurz besprochen, wer morgen wann losmuss.

Eine Nachricht kommt rein.

Der Fernseher geht an.

Später schaut jeder noch einmal aufs Handy.

Keiner hat beschlossen:

Heute beachten wir uns möglichst wenig.

Es läuft einfach so.

Genau das ist das Interessante.

Ihr habt einen Ablauf trainiert.

Und inzwischen braucht er wenig Anleitung.

Beobachte einmal die ersten fünf Minuten

Heute Abend seid Ihr beide zu Hause.

Alles Wichtige ist erledigt.

Was passiert jetzt?

Wer greift zuerst zum Handy?

Wer macht den Fernseher an?

Redet Ihr noch miteinander?

Kommt sofort die Frage:

„Was wollen wir gucken?“

Das klingt banal.

Ist aber gutes Trainingsmaterial.

Denn genau hier entscheidet sich oft, was aus Eurer freien Zeit wird.

Macht daraus kein Beziehungsprojekt

Jetzt könnte man einen Paarabend planen.

Kerzen.

Restaurant.

Handys in eine Schublade.

Zwei Stunden tiefes Gespräch.

Kann man machen.

Für den Anfang ist mir das zu groß.

Probiert etwas Kleineres.

Zwanzig Minuten.

Das reicht.

Zwanzig Minuten, in denen etwas zwischen Euch passiert

Macht in diesen zwanzig Minuten irgendetwas, bei dem Ihr beide beteiligt seid.

Zum Beispiel:

  • eine Runde Karten
  • gemeinsam etwas kochen
  • kurz spazieren gehen
  • Musik anmachen und dabei einen Kaffee trinken
  • zusammen Fotos vom letzten Urlaub ansehen
  • einen kleinen Plan fürs Wochenende machen, auf den beide Lust haben

Der Inhalt ist zweitrangig.

Interessanter ist, was passiert.

Greift einer nach vier Minuten wieder zum Handy?

Wird aus dem Spaziergang sofort ein Gespräch über Rechnungen?

Hat einer gar keine Lust?

Kommt plötzlich ein Gespräch in Gang?

Genau das wollt Ihr sehen.

Gemeinsame Zeit braucht manchmal einen Anfang

Viele Paare warten darauf, dass sich ein schöner Abend irgendwie ergibt.

Man sitzt da.

Schaut fern.

Scrollt ein bisschen.

Und hofft darauf, dass plötzlich Nähe auftaucht.

Das klappt gelegentlich.

Als Methode ist es ziemlich schwach.

Wenn Du Hunger hast, wartest Du schließlich auch selten darauf, dass zufällig ein Abendessen entsteht.

Du fängst irgendwo an.

Bei gemeinsamer Zeit reicht ebenfalls ein kleiner Anfang.

„Komm, wir gehen noch zehn Minuten raus.“

„Eine Runde Karten?“

„Mach mal Musik an.“

Mehr braucht es oft gar nicht.

Achtet auf den Unterschied zwischen Wunsch und Einladung

Hier passiert schnell ein alter Fehler.

Du denkst:

Wir machen nie etwas zusammen.

Dann sagst Du:

„Wir könnten auch mal wieder was zusammen machen.“

Darauf kommt:

„Ja, können wir.“

Ende der Veranstaltung.

Eine konkrete Einladung funktioniert besser.

„Ich gehe noch zwanzig Minuten raus. Kommst Du mit?“

Jetzt kann Dein Partner reagieren.

Ja.

Nein.

Später.

Keine Ahnung.

Du hast eine echte Antwort.

Damit lässt sich mehr anfangen als mit einem allgemeinen Wunsch.

Und wenn Dein Partner keine Lust hat?

Dann wird es interessant.

Ein Nein auf einen Spaziergang beantwortet noch keine große Frage über Eure Beziehung.

Vielleicht ist er müde.

Vielleicht hat er schlicht keine Lust auf einen Spaziergang.

Darum wiederholen wir.

Ein paar Tage später probierst Du etwas anderes.

Dann beobachtest Du wieder.

Kommt irgendwann etwas zurück?

Schlägt Dein Partner selbst etwas vor?

Macht er mit, wenn Du etwas Konkretes anbietest?

Oder bleibt jede Initiative bei Dir?

Das sind brauchbare Beobachtungen.

Ihr müsst dieselben Dinge auch gar nicht mögen

Vielleicht gehst Du gern spazieren.

Dein Partner findet Spaziergänge ungefähr so reizvoll wie eine Steuerprüfung.

Dann sucht Ihr etwas anderes.

Eine Serie kann sogar gemeinsame Zeit sein.

Wenn Ihr sie wirklich zusammen schaut.

Ihr redet darüber.

Lacht an derselben Stelle.

Der eine sagt:

„Spul zurück. Das war gut.“

Auch ein Abend mit Pizza und einer alten Komödie kann funktionieren.

Es gibt keinen Preis für besonders anspruchsvolle Paarzeit.

Die Wochenaufgabe

Probiert diese Woche drei kleine gemeinsame Einheiten.

Jeweils ungefähr zwanzig Minuten.

Keine große Vorbereitung.

Kein Beziehungsprogramm.

Nach jeder Einheit fragst Du Dich:

Was ist passiert?

  • Musste einer alles anschieben?
  • Waren wir beide dabei?
  • Was hat uns Spaß gemacht?
  • Wann sind wir wieder in unseren üblichen Ablauf gerutscht?
  • Kam später von meinem Partner selbst etwas?

Nach drei Versuchen wisst Ihr mehr.

Vielleicht braucht Ihr gar keine spektakulären Unternehmungen.

Vielleicht braucht Euer gemeinsamer Abend einfach einen anderen Start.

Fang beim nächsten freien Abend an

Ihr sitzt auf dem Sofa.

Das Handy liegt schon in Deiner Hand.

Bevor Du es entsperrst, probier einen anderen ersten Schritt.

„Komm. Zwanzig Minuten machen wir jetzt irgendwas zusammen.“

Dann schaut, was daraus wird.

Das ist Training.

Klein genug für einen Dienstag.

Und genau deshalb lässt es sich wiederholen.